Ortler - Klappe die Erste

Sonntag 09.09.01

Nach relativ kurzfristiger Planung und eingeschränkt durch ungünstige Wetterprognosen haben wir uns - nicht zuletzt auf Auskunft des Wetterberichts - für Sulden am Ortler als erstes Anfahrtsziel entschieden. Martin war schon das ganze Wochenende im Tischtennistrainingslager in Stötten im Allgäu.
Nachdem sich Tilo von seiner Geburtstagsfeier am Freitag erholt hat, ist er am Sonntag kurz nach 12.00 Uhr in Kümmersbruck aufgeschlagen. Auto vollgepackt und los geht es nach Stötten, wo wir dann den Martin aufsammeln. Die Fahrt verläuft trotz einiger Regenschauer und einem dubiosen Österreicher an einer Tankstelle ohne Probleme und nachdem wir per SMS unsere genau Anfahrtsroute erfahren haben, schlagen wir nach knapp 3 Stunden in Stötten auf.
Martin wartet schon sehnsüchtig im Bushäuschen und nach kurzem Begrüßungsritual (erstes Wiedersehen seit Korea) setzen wir die Fahrt fort Über Füssen, Fernpaß-Reutte, kommen wir ins Inntal, wo wir vorbei an Imst und Landeck das Inntal aufwärts zum Reschenpaß fahren. Gesprächsstoff Nr. 1 ist der Kirchturm der aus dem Reschensee ragt und die Frage, ob wir gleich Lira abheben wollen, um "Wein-Speck-Obst" zu kaufen. Das wird jedoch auf später verschoben und so kommen wir gegen 19.00 Uhr in Sulden am Fusse des Ortlers an.
Genaue Pläne haben wir noch nicht. Wir suchen uns einen Schlafplatz für die Nacht - direkt am Parkplatz der Talstation zur Schaubachhütte. Hunger hamma auch. So geht's also auf zu einer Ortserkundung im Auto, um die kulinarischen Geheimtipps auszumachen. Der Hunger siegt und so landen wir nach kurzer Suche in einer Pizzeria in der wir uns eine Pizza munden lassen. Nach eifrigen Karten- und Tourenbuchstudium und vor allem aufgrund der ungünstigen Wetterprognose entscheiden wir uns, eine Eingehtour auf oder rund um die Vertainspitze vorzuschieben.
Jetzt kommt auch schon die Pizza und nach nochmaliger Beratung bescließen wir einen groben Tourenplan für die nächsten Tage: - Sulden - Schaubachhütte - Casati Hütte - Cevedale - Königsspitze - Alpini Hütte - Zebru - Hintergrathütte - Ortler übern Hintergrad - Abstieg über Payer Hütte - Abstieg nach Sulden. Was davon realisiert werden kann, werden das Wetter, die Kondition und die auftauchenden alpinen Schwierigkeiten zeigen. Gegen 21.00 Uhr verlassen wir das wollig warme Restaurant und schlagen unser Nachlager auf. Um 22.00 Uhr ist Zeltruhe in der Hoffnung auf besseres Wetter, schöne Bergerlebnisse und ausreichend Kondition für die kommende Woche!

Montag, 10.09.01

Meine erste Nacht im Zelt seit über einem Jahr (Mittenwald, mit Rupi und Tilo nach unserer Alpentour 2000). Um 7.00 Uhr kriechen wir aus dem Zelt. Zwar später als geplant, aber immer noch früh genug. Denn vor dem Zelt erwartet uns: bewölkter Himmel, Kälte und ganz leichter Schneefall. Das hatten wir nicht erwartet. Dafür war auch die Nachtluft zuvor noch viel zu angenehm. Rupi mit neuer Luftmatratze, Tilo mit neuem -17 Grad-Schlafsack und ich mittendrin. Da immer wieder blauer Himmel durchschimmerte und aus dem Tal auch das Blau durchkam, packten wir unsere Rucksäcke und setzten das Auto zum Hotel Zebru (1.970m) um.
Unsere erste Tour sollte auf die Vertainspitze (3.541m) gehen. Natürlich nicht über den Normalweg von Süden, sondern über den Nord-West-Grad. Nach dem Aufstieg zur Bergstation eines Skiliftes (da wollten wir eigentlich gar nicht hin), gelangen wir nach 2 Stunden im zügigen Tempo zur Düsseldorfer Hütte (2.727m). Nachdem das Frühstück etwas kärglich ausgefallen ist - also komplett - und es beim Anstieg immer wieder leicht geschneit hat, machen wir eine kurze Pause in der Hütte.
Vom Hüttenwirt wird uns vom Nord-West-Grad abgeraten. Wir schlagen also einen Weg rund um die Vertainspitze ein. Nach einem steilen Anstieg zur Angelusscharte (3.337m) steigen wir bei eisigem Wind auf den Laaser Ferner ab. Auf den letzten Meter vor dem Rosim Joch (3.288m) seilen wir uns an, testen unsere neuen Eispickel und machen gleich noch eine kleine Seil- und Sicherungsübung. Nachdem das Wetter wieder deutlich besser geworden ist, steigen wir gemütlich in 2 Stunden bis 16.00 Uhr wieder ab.
In Sulden versorgen wir uns mit Lebensmittel und einer neuen Batterie - 13.500 Lira - für Tilo´s Foto, schauen uns noch das Hallenband, das sich als Tennishalle entpuppt, an und packen auf einem Parkplatz in der "kalten Stube" unsere Rucksäcke für unsere große Tour, so das Wetter morgen will. Bei Nudeln, Pizza und Rotwein lassen wir den Abend in einer Pizzeria ausklingen. Um 21.00 Uhr schlagen wir das Zelt wieder auf dem Parkplatz bei der Seilbahn auf. Der Handywecker wird zunächst auf 5.10 Uhr gestellt. Was dann daraus wird, erzählt uns Tilo morgen.

Dienstag 11.09.01

Ja, 5.10 Uhr hat das Handy uns auch mit einer wunderschönen Melodie aus dem Schlaf geholt. Aber Rupi war wohl zu müde um aufzustehen, er hat aus dem Zelt geschaut und gesagt, es sei alles sehr stark bewölkt. Also weiterschlafen bis 7.00 Uhr. Hätte ich mich nicht aus dem Zelt gequält, würden die 2 Schlafmützen wahrscheinlich jetzt noch schlafen. Der Himmel war zwar immer noch bewölkt, aber aus dem Tal zog der blaue Himmel bergwärts. Also fing ich an das Zelt abzureissen, so dass die zwei anderen Helden aus dem Zelt kommen mussten. Da der Ablauf der Tour feststand, aber die Zeit schon weit fortgeschritten war, beschlossen wir den Weg etwas mit der Seilbahn abzukürzen. So stiegen wir um 8.30 Uhr in die rote Gondel und ersparten uns 700 Höhenmeter Aufstieg. Bei schönstem sonnigen Wetter stiegen wir den Weg zur Casati-Hütte über die Eisseespitze empor.
Leider verfehlten wir den Anstieg zur Eisseespitze, so dass wir über den steilen Gletscher direkt zum Eisseepass aufstiegen. Mittlerweile zog aber aus dem Tal eine neue dunkle Wolkenwand heran. Auf dem Pass hatten wir aber noch eine traumhafte Sicht auf unser heutiges Ziel, den Monte Cevedale und die Zufallspitze. Auf der Casati-Hütte angekommen machten wir eine gute Brotzeit und bezogen unsere Lager für die Nacht. Gegen 13.00 Uhr gingen wir dann über den Zufallferner los. Die Rucksäcke blieben in der Hütte, so dass wir nur mit Pickel, Steigeisen und Seil auf den Gipfel steigen. Leider war am Nachmittag der Gipfel wieder in Wolken gehüllt. Aber man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben - und wir sind ja immer frohen Mutes.
Nach ca. 1,5 Std. standen wir dem Gipfel voll in Nebel. Das Seil haben wir nicht gebraucht. Es waren lediglich 2 große Spalten zu sehen, um die wir rumgestiegen sind. Ich war nach diesem Abstieg fix und fertig, im Gegensatz zu meinen Kameraden. Nach 50 min. Abstieg waren wir wieder bei der Hütte.
Nach einer kurzen Ruhepause auf dem Zimmer, ereilt uns in der Gaststube die Schreckensnachricht von den Terroranschlägen auf das WTC in Ney York und das Pentagon in Washington. Leider ist es ein italienische Programm, aber die Bilder sprechen für sich. Das genaue Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht absehbar, aber die Auswirkungen werden wohl weltweit verheerend sein. Nach einem weniger guten Abendessen mit bedrückter Stimmung beende ich für heute die Ausführung. Der weitere Tourenablauf hängt sehr stark vom morgigen Wetter ab. Alles weiter in den nächsten Tagen.

Folgende Aufzeichnung sind ein Nachtrag anlässlich unserer Tour 2002 - das Jahr zuvor waren wir wohl zu faul bzw. folgte keine Hüttenübernachtung mehr.

Mittwoch 12.09.01

Noch völlig unter den Eindrücken des Terroranschlags und ohne Aussicht auf eine entscheidende Wetterbesserung, verschieben wir unser Königsspitzabenteuer und versuchen wenigstens den Ortler in irgendeiner Art und Weise zu bezwingen. Relativ steigen wir wieder Richtung Schaubachhütte ab und queren zur Hintergrathütte, die wir am späten Vormittag erreichen. Wetterlage immer noch schlecht und auch die Prognosen lassen uns die letzte Hoffnung auf den Ortler begraben. Also steigen wir zum Auto ab und kehren schweren Herzens Sulden den Rücken - der festen Hoffnung und der Entschlossenheit, nächstes Jahr wieder anzugreifen.

Wir fahren das Etschtal nach Meran. 2 Versuche für einen Raftingtrip scheitern irrsinnigerweise an Wassermangel! In Meran versuchen wir die aktuelle Wetterlage in Südtirol zu ermitteln und entscheiden uns schließlich für eine Klettersteigtour in der Sella-Gruppe. Unterwegs kehren wir noch zu einer - mittlerweile diese Tour kennzeichnende - Pizzapause ein. So gelangen wir gut gestärkt am Abend am Sellastock an, wo wir in der Dunkelheit das Zelt aufschlagen.
Am nächsten Tag wartet der Pößnecker Klettersteig auf uns.

Donnerstag 13.09.02

Nach einer Nacht im Zelt und 2 Flaschen Rotwein suchten wir am nächsten Morgen ziemlich lange den Einstieg zum Pößnecker Klettersteig. Doch die Suche hat sich gelohnt. Der Klettersteig hat alles gehalten, was uns versprochen wurde: Leitern, Kamine, sehr luftige Stellen - ein anspruchsvoller Klettersteig. Oben auf dem Sella-Stock angekommen hat Martin noch ein Panoramabild geschossen, welches im Internet unter www.markla.de zu bestaunen ist. Nach der Überschreitung der Hochebene und eines Gipfels steigen wir ab in Richtung Grödner Joch.
Dort versuchen wir am Hang zu queren um einen nächsten Klettersteig mit einem Gipfel zu erreichen. Leider war die Querung doch zu heikel, so dass wir doch ab- und dann gleich wieder aufgestiegen sind. Nach diesem Gipfel steigen wir wieder über die Hochebene Richtung Sella-Paß-Straße ab. Dort trampe ich zum Auto oben am Paß. Nach dem Packen fahren wir über St. Christina Richtung Brenner heimwärts. In Sterzing gab es noch mal - zum 4x - einen Pizzastop.
In Schwandorf war unsere Bergtour für dieses Jahr beendet, natürlich in der Hoffnung, auf besseres Wetter und einer traumhaften Tour im nächsten Jahr.

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