Sonntag 11.08.02
Das Ziel für unsere diesjährige Tour war ja eigentlich schon klar, nachdem wir letztes Jahr am Ortler so kläglich - wegen dem Wetter - gescheitert sind, gab es nur ein großes Ziel - ORTLER - Klappe die Zweite.
Starttermin sollte eigentlich am Samstag den 10.08. sein, aber das Wetter...oder Martin?...machte uns einen Strich durch die Rechnung. Nachdem wir den Freitag Abend auf einer Grillparty zu Martin´s Arbeitskollegen verbracht haben, war Samstag Vormittag Kondition bolzen in Form von 10km Jogging angesagt. Abends sind wir dann zu Rupi gefahren und haben den Abend auf diversen Kirwan und Feuerwehrfesten verbracht. Naja, außer einem: "ach Rupi, ich kenn Dich noch mit Locken"-Mädel war alles sehr Alkohol geprägt. Martin hat noch mächtig getanzt, so dass wir gegen 1.00 Uhr im Bett lagen.
Wecken 7.00 Uhr, Abfahrt 8.00 Uhr über München, Garmisch, Fernpaß,
Landeck, Reschenpaß und Sulden. Ab München gab´s Dauerregen,
bei kurzen Aufhellungen in Österreich. In Sulden angekommen (6 Std. 445
km) traute sich keiner aus dem Auto vor lauter Regen. Nach einer Stunden überlegen
und dumm rumsitzen, packen wir unsere Sachen und zogen in voller Hoffnung
auf besseres Wetter los. Nachdem wir schon ein Jahr zuvor alles erkundet hatten,
stand unsere Route fest. Wieder der Aufstieg zur Düsseldorfer Hütte
(2721m) und dann bei schönem Wetter über die Vertainspitze in Richtung
Schaubachhütte, Hintergrathütte, Hintergrat, Ortler, Payerhütte
und Sulden. Bei klasse Wetter und guter Kondition schieben wir wenn möglich
noch die Königsspitze dazwischen - aber da muß alles paletti sein.
Der Aufstieg zur Düsseldorfer Hütte ist über verschiedene Anstiege
möglich, natürlich wählen wir den längsten (Nr. 11) über
den Kanzellift. Das Wetter könnte, so glaube ich, nicht schlechter sein,
Regen, Regen, Regen und ab Höhe Kanzellift steigen wir im Schnee auf.
Kurz vorher haben wir noch Bekanntschaft mit diversen Kühen gemacht,
welche bei dem Regen auch den Weg nicht freigeben wollten.
Nach 2 Std. erreichen wir glücklich die Hütte. Wir bekommen ein
Zimmer für uns allein und essen einen Teller Spaghetti und trinken 2
Liter Teewasser (???). Nachdem wir noch verschiedene Routen für den nächsten
Tag uns ausgesucht haben (je nach Wetterlage), zockt uns Martin noch bei einer
Runde Halma ab. Gegen 22.15 Uhr liegen wir in den Federn und hoffen nur noch
auf gutes Wetter!
Montag 12.08.02
Tilo´s Todessturz im Nebel Aufstehen um 600 Uhr ??? - das ist nur die
halbe Wahrheit - Gott sei Dank. Zwar bimmelt um 600 Uhr der Wecker, aber auf
Grund der sehr durchwachsenen Wetterlage bleiben wir noch bis 700 Uhr liegen.
Nach dem Frühstück geht´s mit leichtem Rucksack Richtung Tschengseler
Hochwand (3.375m). Beim Abmarsch stellt sich heraus, dass Rupi nicht nur sein
Essen zu Hause vergessen hat, sondern auch noch sein Modul im Auto hat liegen
lassen. Zu allem Unglück funzt auch sein neuer Stock nicht.
Kurz nach 800 Uhr geht´s also los. Gleich nach der Hütte beginnt
die Schneestapferei. Über ziemlich zugeschneite und damit gemeine Felsblöcke
steigen wir bei bewölktem Himmel aber angenehmen Temperaturen durch ein
Moränental aufwärts. Nach einer guten Stunde kommen wir an die Weggabelung
Angelusspitze-Tschengseler Hochwand. Nach längerer Diskussion geht´s
auf dem Noramlweg in einer Schneerinne zur Scharte hoch. Die oft mühsame
Spurarbeit wird oben mit hüfthohem Schnee und null Sicht belohnt. Wir
wollten es ja so! Als sich Rupi´s letzte Hoffnung zerschlägt, sein
Modul im Rucksack von Tilo zu finden, schubst er diesen einfach kopfüber
den Berg hinunter. Der Flug war schön anzuschaun, aber leider mit bösen
folgen: Tilo´s rechte Hand landete zentimetergenau auf einem Stein und
blutete den ganzen Abstieg ziemlich stark. Doch das machte unserem Helden
gar nichts aus.
Nach einem Mittagessen á la Tupperware einem kleinen Schläfchen
meinerseits und einem Spielenachmittag für Rupi und Tilo machen wir um
15.30 Uhr weiter mit dem Programm. Aufstieg zum Hinteren Schöneck (3.143m).
Nach einer kleinen außerordentlichen Schneeschlacht stapfen wir wieder
bei stark bewölktem Himmel los. Nachdem sich Tilo das Schienbein und
seinen Fuß böse angeschlagen hat, kehrt er nach über einer
Stunde wieder um. Rupi und ich nehmen die letzten Höhenmeter in Angriff.
Nach 1,5 Std. stehen wir auf dem Gipfel. Sicht: na ja. Nach dem obligatorischen
Gipfelschnapps und einer Schoki geht´s wieder zurück zur Hütte
- 1 Stunde. Nach dem Abendessen (Spiegelei mit Kartoffel und Schinken) gibt´s
neben 3 Litern Tee auch einen Liter Wein. Der morgige Tag wird - wieder mal-
stark wetterabhängig gestaltet werden. Entweder Gipfelansturm zur Vertainspitze
(3.545m) oder Abstieg zum Auto Wiederaufstieg Richtung Ortler. Um 21.30 Uhr
geht´s ab in´s Lager.
Dienstag 13.08.02
Diesmal auch wirklich wecken und dann auch gequält um 6.15 Uhr aufgestanden.
Eigentlich wollten wir auf die Angelusscharte (3.337m), den großen Angelus
(3.521m) mitnehmen, dann die Vertainspitze (3.545m) überschreiten zum
Rosimjoch und von dort aus zum Auto zurück. Der Wirt rät uns aber
von der Vertainspitze ab. Wenn überhaupt, dann nur über SO-Grat.
Außerdem ist das Wetter immer noch recht durchwachsen. Die Söhne
vom Wirt steigen schon um 6.30 Uhr tapfer voran - der Schnee steigt kontinuierlich
von Knöchelhöhe auf Hüfttiefe an. Wir starten vollbepackt um
7.25 Uhr und folgen dankbar der frisch gelegten Spur. Leider hören diese
auf 2/3 des Weges auf und ab da heißt es selber weiterquälen. Hier
sei nochmals ausdrücklich Tilo´s Spurarbeit im letzten Teilanstieg
zur Angelusscharte erwähnt. Er hat sich wie eine besoffene Schildkröte
Meter um Meter uns voran durch den Schnee gequält. Kompliment - Glanzleistung!
Nach gut 2,5 Std. stehen wir (komischerweise wie schon 1 Jahr zuvor) völlig
abgekämpft auf der Angelusscharte. Leider macht das Wetter zu und so
entschließen wir uns schweren Herzens für den Abstieg zur Düsseldorfer
Hütte.
Nach kurzer Mittagsrast treten wir um 1245 Uhr den Abstieg zum Auto an, wo
wir gegen 1420 Uhr ankommen. Wir beschließen, die Wetterlage abzuklären
und auf der Payerhütte zwecks Ortlerbesteigung anzurufen und versorgen
uns nach positiven Bescheid noch mit Proviant, Skistockzubehör und Sonnenschutz.
Dann lassen wir den Nachmittag in aller Ruhe auf unserer Kinderspielplatznachtlagerwiese
ausklingen und machen uns gegen 1900 Uhr noch auf in die Bärenhöhle.
Hier lassen wir uns die schon obligatorische Pizza schmecken und werden dann
unser Zelt aufschlagen und ein Fläschchen Rotwein köpfen. Hoffentlich
geht es dem Martin morgen besser (Magen- und Kopfprobleme) damit wir morgen
in aller Frische über die Tabaretta-Hütte zur Payer-Hütte aufsteigen
können. Mittwoch, 14.08.02 - Fernsicht - und Sonnenbrand Die Kombination
aus Knoblauch und Höhenluft scheinen bei dem ein oder anderen unserer
Reisegruppe das Verdauungssystem doch erheblich anzurgen... Dementsprechend
war die Nacht und auch der Morgen.
Mittwoch 14.08.02
Um 800 Uhr war die Nacht vorbei. Tilo ist gleich losgeschlappt und hat frische Brötchen, Butter und Marmelade organisiert. Beim Frühstück auf der Bank haben uns die ersten Sonnenstrahlen erwischt. WOHTTAT. Bei strahlendblauem Himmel steigen wir in kurzen Hosen Richtung Tabarettahütte (2.656m) in 1,5 Std. auf. Etwas oberhalb der Hütte machen ca. 1 Std. Rast, schauen uns die Menschentrauben an und erkunden mit dem Fernglas die Vertainspitze, den Angelus und die Ortlernordwand inkl. Hintergrat. In einer weiteren Stunde Aufstieg erreichen wir die Payerhütte (3.029m). Den ruhigen Nachmittag verbringen wir mit Schuhe trocknen, Wasservorräte auffüllen, Sonne tanken, Rätselraten wo der Similaun versteckt ist und Fernsicht geniesen. Bei Nudeln, Wein und Tee beratschlagen wir noch kurz, wie es morgen nach dem Gipfel weitergehen könnte. Um 19.00 Uhr müssen wir den Gastraum verlassen, damit die 2. Schicht (die Hütte ist ausverkauft) essen kann. Leider wird mir an dieser Stelle der Platz zum Schreiben rationiert. Darum: Nach dem Essen geht´s mit Wein und Tee bewaffnet noch auf die Sonnenterasse. Nach dem Sonnenuntergang ist um 21.00 Uhr Schlafen angesagt.
Donnerstag, 15.08.02
Ortler, die erste! Nach einer mehr oder weniger ruhigen Nacht (Schnarcher
30cm neben Rupi) war um 4.30 Uhr wecken angesagt. Eine überlaufene Hütte
am Morgen ist kein Spaß. Jeder packt mit Stirnlampe seinen Rucksack
in irgendwelchen Ecken. Gegen 5.20 Uhr waren wir die zweite Seilschaft, die
Richtung Ortler abmarschiert ist. An den ersten Kletterstellen kam auch die
Sonne langsam zum Vorschein. Was für ein traumhafter Sonnenaufgang! Die
Kletterstellen waren kein Problem und haben viel Spaß gemacht. Am Anfang
des Gletschers seilten wir uns an und legten auch die Steigeisen zum zweiten
Mal an. Der weitere Aufstieg war relativ unproblematisch die uns stark zusetzte.
Gegen 8.30 Uhr erreichten wir relativ gelöst den Gipfel. Die Aussicht
war traumhaft. Rundumsicht soweit das Auge blicken konnte. Fasziniert schauten
wir in den Hintergrad rein und waren fast neidisch auf die dortigen Seilschaften.
Nach dem obligatorischen Gipfelfoto und Gipfelschnaps traten wir wieder den
Rückzug vor der heraufziehenden Menschenmasse an. Bergab mussten wir
noch einen verlorenen Österreicher mitnehmen, welcher den Aufstieg in
schwindelerregender Höhe nicht ganz schaffte, dafür aber umso mehr
erzählen konnte. Auf der Payerhütte hat er sich aber mit 2 Radlern
revanchiert. Auf der Hütte angekommen entledigten wir uns der Klamotten,
da es brutal warm wurde. Beim Abstieg gab es auf der Tabarettahütte eine
extra Portion Kaiserschmarrn für den Martin.
Nun stellte sich auch die Frage, wir wir denn den Rest der Woche verbringen
wollten, nachdem unser Ziel Nr. 1 erreicht war. Welche Gipfel sind noch möglich?
Königsspitze wäre ein Traumziel. Leider hat uns ein Bergführer
davon abgeraten, da etwas zu wenig Schnee wäre. Was bleibt da noch übrig?
Wir beschließen, den Ortler in 24h 2mal zu besteigen, nämlich über
den Hintergrat. Also rufen wir auf der Hintergrathütte an und bestellen
3 Lager für uns. Nach einer ausgedehnten Mittagspause bei der K2-Hütte
erreichen wir gegen 16.00 Uhr die Hütte. Dort beziehen wir die letzten
3 Lager genau unter dem Giebel. Jetzt sitzen wir im Gastraum und warten auf
unser Essen, dabei werden wir von 2 Münchner unterhalten. Rupi hat 1
Liter Wein und ich 1 Liter Wasser geholt. Mal schaun, wie diese Nacht verläuft.
Ach ja, wecken ist um 3.00 Uhr. Wir hoffen auf einen traumhaften Bergtag.
Freitag, 16.08.02
Da die Hütte meist als Ausgangspunkt für den Hintergrat genutzt wird und man hier bei Zeiten loskommen sollte, hängt ein großes Schild im Gang: Wecken 3.30 Uhr. Damit wir nicht wieder in das Gedränge von letzter Nacht kommen, wollten wir der Meute ein Schnippchen schlagen und haben den Wecker schon auf 3.00 Uhr gestellt. Diese Idee hatten nicht nur wir. Nach einem zügigen Frühstück unter sternenklaren Nacht kommen wir schon vor 4.00 Uhr los. Wie vor 3 Jahren bei der Dombesteigung sieht man viele kleine Punkte, die sich dem Berg nähern. Hinter einer Gruppe von Österreichern gelangen wir nach einem mühsamen Schneegeröllanstieg zu den ersten Felsgruppen. Sollte jemand mal wieder den Grat machen, könnte man sich überlegen, den Aufstieg über ein langes Schneefeld rechts vom Normalanstieg mit Steigeisen zu bewältigen. Mit den ersten Sonnenstrahlen wird uns klar, dass wir auch heute wieder ein Traumbergwetter zu erwarten haben. Auf halber Höhe zum Gipfel erleben wir auf einem Gletscher einen bombastischen Sonnenaufgang. Sämtliche uns bekannten Gipfel (Vertainspitze, Angelus, Königsspitze, Zufallspitze und Mt. Cevedale erstrahlen im Morgen rot.
GIGANTISCH.
Auf dem Weg zum Gipfel kommen wir diesmal auch leider in einen Menschenstau.
Nachdem wir nach einer langen Wartezeit auch diesen und eine Kletterstelle
angeseilt überstanden haben, ist der Weg zum Gipfel so gut wie frei.
Bereits um 800 Uhr erreichen wir den Gipfel. Damit erreichen wir den Gipfel
noch vor der Massenwanderung auf dem Normalanstieg. War am Tag zuvor noch
der Gipfel das Ziel, so war es an diesem Tag der Hintergrat. Bereits jetzt
können wir sagen, dass es mit der tollste Anstieg war, denn wir bisher
gemeistert haben. Nach einer kurzen Rast aufm Gipfel steigen wir wieder üben
den bekannten Normalanstieg ab zur Payerhütte.
Wir bleiben nicht lange und steigen weiter ab. Auf der Tabarettahütte
gönnen wir uns 2 Kaiserschmarrn. Bei brütender Hitze steigen wir
weiter nach Sulden ab. Da uns allen eine Abkühlung gut tut, möchten
wir versuchen auf dem Reschenpaß eine geeignete Badestelle zu finden.
Was uns nach mehrern Anläufen auch gelingt. Hier verbringen wir halb
dösend und waschend und essend den Nachmittag bevor wir bis nach Oberau
durchfahren und uns dort das Tagesmenü II (fette Schweinshaxe mit Knödel
und Sauerkraut) wohlverdient in einem Biergarten reinschlagen. Hier kommt
uns auch die Idee unseren alten Bundeswehrskibergkameraden René anzurufen.
Der Arme wusste gar nicht wie ihm geschied, denn schon 2 Stunden später
stehen wir mit einem Kasten Bier vor seiner Tür in München. Auf
dem Balkon verbringen wir mit etwas Bier und vielen alten und neuen Geschichten
den Abend, bevor wir alle todmüde kurz nach 2.00 Uhr einschlafen.
Samstag 17.08.02
Am Morgen sehen wir zum ersten Mal die Bilder von der Flutkatastrophe in Ostdeutschland. Nach einem Frühstück fahren wir über Regensburg nach Amberg. Nachdem wir Rupi verabschiedet haben, fahre ich mit Tilo weiter nach Weiden, wo wir gegen 15.00 Uhr eintreffen. Und wieder mal: Super gut und unvergesslich war´s und die Tour für nächstes Jahr steht auch schon fest!!!!!!!!
Martin Rupi Tilo
August 2002
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