oder
Dem Martin werde ich jetzt mal das Fell über die Skier ziehen oder Lawinenlust?!
Samstag 10/03/01
Ja eigentlich weiß ich gar nicht wie ich anfangen soll,
zu diesem Skireport 2001 fehlt mir der passende Einstieg. Vielleicht lag es
an meiner düsteren Vorahnung im Land der aufgehenden Sonne meiner geliebten
Bergheimat doch allzu fern zu sein, und frische gute Bergluft so schnell nicht
mehr in meine Lungen zu bekommen - anyway, ich entschloß mich Anfang März
spontan eine kurze Skitour in den Ötztaler Alpen zu machen.
Meinen mittlerweile langjährigen Bergkameraden Martin brauchte ich eigentlich
nur kurz anzurufen (nachdem wir das Thema schon bei unserem Faschingsausflug
in die Struth ganz allgemein angesprochen hatten), er war gleich Feuer und Flamme
und gerne bereit, auch zwei Urlaubstage dafür zu "opfern". So fuhren wir
also um Samstag gegen 18.00 Uhr in Amberg weg, nachdem Martins Tischtennisspiel
ins Wasser gefallen war. Nach einem Zwischenstop in Regensburg (um meinen Klettergurt
zu holen und Gundl ein bißchen für ihr Examen nervös zu machen)
trafen wir gegen 20.20 Uhr in München ein, wo wir auf einer Privatparty
von Anke eingladen waren, die sich dann als Oberpfälzer Geheimtreff mit
hervorragendem kalten Buffet erwies.
Die Nacht verbrachten wir dank Martin's Beziehungen im Studentenwohnheim und
waren voller Tatendrang für die kommenden Tage.
Sonntag 11/03/01
Als Grobziel hatten wir uns die Gegend um den Ötzi vorgenommen,
die wir ja schon bestens von zwei Sommertouren her kannten, und da ich auch
im Winter den Similaun schon bestiegen hatte. Mit vielleicht etwas zu großen
Erwartungen standen wir also um 4.30Uhr auf, damit wir ja rechtzeitig in Vent
ankommen und dann sofort voll durchstarten können … … tja wir waren auch
pünktlichst in Vent, hatten nach einigen Schwierigkeiten auch einen Parkplatz
für den "guten Opel" (O-Ton Martin) gefunden, und dann ging es los, zunächst
sehr steil und auch sehr schnell, dann eher flach aber dafür auch langsamer.
Unsere letzten Touren lagen doch schon lange zurück, für Martin war
es sogar die erste nach dem Skizug.
Dies machten uns dann unsere Füße auch schmerzhaft deutlich ("ihr
habt wohl einen Vogel wie die Irren loszulaufen … oder so ähnlich"). Nun
gut, mit viel Tape und doppelten Socken quälten wir uns zur Martin-Busch-Hütte
und waren dort zu ungewöhnlich früher Zeit schon am Ende dieses ersten
Tourentages angekommen. Wir waren dann doch so vernünftig um einzusehen,
daß wenn wir in den nächsten Tagen noch etwas erleben wollten unsere
Füße für heute genug hatten. Ansonsten war die Kondition aber
recht anständig und auch Martin's Knie muckte nur einmal ganz kurz auf.
Das Wetter meinte es gut mit uns, es war etwas bewölkt, aber angenehm warm,
sodaß wir uns problemlos wieder an das Bergklima gewöhnen konnten.
Wir machten lediglich noch einen kurzen Spaziergang um wenigstens etwas frische
Bergluft zu schnappen, einen gesunden Hunger zum Abendessen mitzubringen, und
… naja ein paar Kindereien im Schnee zu veranstalten. Auf der Hütte gab
es dann ein zünftiges Abendessen und wir entschlossen uns - vor allem auch
aus Wettergründen, und das war genau richtig so - am nächsten Tag
gleich den Similaun anzugreifen und zwar auf der Direktroute und nicht mit Zwischenstop
auf der Similaunhütte. Nach intensiver Fußpflege fielen wir relativ
früh ins Bett um am nächsten Tag fit für unseren ersten gemeinsamen
Tourengifpel zu sein.
Montag 12/03/01
Am Montag ging es dann zeitig los, nachdem wir gut ausgeschlafen
hatten kamen wir nach kurzem Frühstück als zweite nach einer französischen
Gruppe weg. Dieser folgten wir die "Rotweinstraße" aufwärts und kamen
nach ca. einer Stunde an die Abzweigung zur Direktroute. Ab dann hieß
es Spurarbeit, was ich denn auch anging und ein paar schöne Schleifen in
den ersten Steilhang legte.
Zu diesem Zeitpunkt war zum ersten Mal von Genuß zu sprechen, auch wenn
der Atem schneller ging, war es doch traumhaft in dieser weißen absoluten
Stille gegen die aufsteigende Sonne Richtung Gipfel zu ziehen. Na und so war
es dann aber auch, gell Martin. Es zog und zog sich immer länger, mal weniger
steil und mal mehr, und der Gipfel wollte doch nicht so recht näher kommen.
Gern profitierten wir da von einem frischen Lüfterl mit dem wir schließlich
und endlich am Fuße des Gipfels mit unseren französischen Kameraden
wieder zusammentrafen, die die Aufstiegsroute über die Similaunhütte
gewählt hatten. Sie arbeiteten sich dank ihrer Harscheisen dann problemlos
den verwehten und verharschten, rutschigen Gipfelhang hinauf - wir folgten mehr
schlecht als recht und beschlossen deshalb ca. auf halbem Weg unser Skidepot
aufzuschlagen.
Dort ging es dann zu Fuß weiter und nach einer weiteren guten halben Stunde
standen wir endlich auf dem Gipfel 3.601 Meter über N.N. und die Belohnung
ließ nicht auf sich warten.
Ein traumhaftes Panorama belohnte uns für gut 4 Stunden Schweiß und
Fußfolter, denn trotz Verbesserung zum Vortag war doch ein dauernder Begleitschmerz
nicht zu verhindern. EGAL! Vergessen die Schwächephase vor dem Gipfelanstieg
- Gipfelfoto in traumhafter Winterlandschaft, mehr oder weniger laienhafte Fachsimpelei
über die uns umgebenden WUNDERSCHÖN verschneiten Dreitausender begleitet
von Erinnnerungen an unsere Sommertouren waren für mich ein schon viel
zu lange vermißter und für Martin ein neuartiger, aber ebenso gewinnender
Eindruck.
Denn trotz aller Wehwechen und Kompromisse bei der Ausrüstung: ein weiteres
Kapitel in unserer Wintersportaktivität war aufgeschlagen und wartet nun
sehnsüchtig auf neue, längere, anspruchsvollere und natürlich
unvergeßliche Einträge.
Genug philosophiert. Der Abstieg bis zum Skidepot war reine Formsache und bald
standen wir mit angelegten Skiern vor einem ziemlich steilen Einstieg zu Martin's
Tourenabfahrtsdebut, das aber grandios gemeistert wurde. Ja und dann folgte
der zweite Traum: den ganzen langen Aufstiegshang durften wir nun durch mehr
oder weniger enge und - je nach Kraft der Oberschenkel - mehr oder weniger elegante
Bogerln markieren. Das ganze trotz relativ wenig Schnee in 20 - 30 Zentimeter
Powder - A WAHNSINN!
Völlig entkräftet fielen wir auf der Abzweigung der Aufstiegsspuren
in den Schnee und kamen schließlich und endlich erschöpft aber rundum
zufrieden auf der Martin-Busch-Hütte an. Dort genehmigten wir uns ein ausgiebiges
Abendessen und freuten uns über die heutige Tour, da für die Nacht
und den morgigen Tag - zumindest bis zum Mittag - starker Schneefall angekündigt
war. Wir beschlossen uns einfach vom morgigen Wetter überraschen zu lassen
und fielen kurze Zeit später in unsere Kojen.
Dienstag 13/03/01
Weiß war dann auch das erste, was wir am Dienstag morgen
zu sehen bekamen. Wie vom Wirt vorausgesagt, hatte es dann in der Nacht kräftig
geschneit und das Wetter machte auch nicht den Eindruck so schnell besser zu
werden. Wir frühstückten in aller Ruhe und entschieden uns dann, wenigstens
die Höhenluft noch ein bißchen zu genießen und einen Konditionsmarsch
auf die Similaunhütte zu machen - der bessere Ausdruck wäre wohl eher
Orientierungsmarsch! Bei ungelogenen z.T. weniger als 15 m Sicht schlängelten
wir uns im wahrsten Sinne des Wortes talaufwärts und spurten uns abwechslungsweise
durch den tiefen Neuschnee.
Nach der Abzweigung zum gestrigen Direktaufstieg wurde die Sicht etwas besser
und wir konnten eine direkte Linie zur Hütte spuren. Oben angekommen pfiff
uns ein eisiger Wind ins Gesicht, der nur einen Vorteil hatte: Er brachte langsam
aber sicher das schöne Wetter zu uns, was aber leider einen halben Tag
zu spät kam. Wir hätten zwar Mittwoch noch in unsere Tour einplanen
können, es war uns beiden aber eigentlich bewußt, dass bei diesem
Kurztrip gestern das Optimale herausgeholt wurde und der gestrige Eindruck nur
schwer zu toppen sein würde.
Also genehmigten wir uns eine heiße Schokolade in der wirklich schönen
und gemütlichen Hütte (falls es uns nochmal in diese Ecke verschlagen
sollte, müssen wir das nächste Mal unbedingt dort übernachten,
zumal es guten Südtiroler Rotwein gibt ;-) Gegen 11.00 Uhr machten wir
uns an die Abfahrt, was zu einer reinen Fahrt ins Ungewisse wurde. Der Nebel
war zum Teil so dicht, daß wir keine 5 Meter mehr sahen. Da der Neuschnee
im relativ flachen Gelände stark bremste, blieb uns eh nur die Aufstiegsspur
als Orientierung, die uns dann aber doch ziemlich zügig zurück zur
Martin-Busch-Hütte brachte.
Dort nahmen wir nur kurz unsere Rucksäcke auf und machten uns gegen 11.30
an die Talabfahrt, die sich auch noch einmal lang und immer länger hinzog.
Wohlbehalten kamen wir nach ca. 1 ½ Stunden in Vent an - war die Lawinengefahr
mit zunehmender Sonneneinstrahlung doch erheblich gestiegen. Nun ging es an's
Autoausschaufeln, Einpacken und dann wollten wir eigentlich los. Nur noch schnell
beim Wirt Bescheid sagen, daß wir gut runtergekommen sind und … … ja von
wegen …
Am Ortsausgang erwartete uns eine unfreundliche (da geschlossene) Lawinenschranke
und auf Nachfrage beim Touri-office bekamen wir die "ermutigende" Aukunft, daß
aufgrund zweier Lawinenabgänge die Straße bis wenigstens heute abend
gesperrt bleibt. Na Servus! Zum Glück trafen wir zwei Bergkameraden (Studenten
aus München, von denen einer mit den Huber-Buam trainiert hat was ein witziger
Zufall war, da wir die Woche zuvor in Weiden einen Vortrag der beiden Extremsportler
gesehen hatten), die auch auf die Heimreise warteten UND Schafkopfspielen konnten.
Somit war der Zeitvertreib bis zum Zusammentreten der Lawinenkommission nach
Sonnenuntergang gesichert.
Bei herrlichem Sonnenschein aber eisigem Wind kartelten wir so gemütlich
ein paar Stunden, bis dann gegen 18.30 die erlösende Nachricht kam, daß
die Straße nun wieder frei befahrbar ist. Auch wenn wir es in Vent aufgrund
der traumhaften Wetterlage nicht glauben wollten: Es waren in der Tat 2 riesige
Lawinenabgänge, unter die man nicht mal seinen ärgsten Feind schicken
würde, die Straße war zwischen 2 und 4 Meter hoch zugeschüttet
- toi toi toi daß wir da nicht dabei waren. Wir machten uns dann zügig
an die Heimfahrt, die ohne große Zwischenfälle und Ereignisse verlief.
Der traditionelle Boxenstop bei MacDo in Pfaffenhofen sei noch zu erwähnen.
So kamen wir dann nach Mitternacht wohlbehalten in Haselmühl an. Eine schöne
Erfahrung reicher und die Gewißheit, daß dies sicherlich nicht die
letzte Tour war - vielmehr eine neue Variante für gemeinsame Wintersporterlebnisse!
Zur Vermerken sei noch der Hinweis auf unseren Bergkameraden Tilo:
Aus verständlichen Gründen war ihm eine Teilnahme an dieser Tour zu
spontan und paßte nicht in seinen Zeitplan. Es ist lediglich festzuhalten,
daß er nach Schilderung unserer Erlebnisse von sich aus und ohne jeglichen
Druck unsererseits erklärte: " Das nächste Mal bin ich ganz ganz sicher
dabei!" Wollen wir das hier mal so stehen lassen ;-)
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