oder
Wie man auf so 'ne Idee kommt
oder
Besteht unsere Tour nur aus Laufen?
Sonntag 06.08.00
Wir sind unserer Zeit weit voraus. Denn: offiziell beginnt die Tour auf dem
Traumpfad von München nach Venedig jedes Jahr am 08.08. um 800 Uhr in
München. Ich glaube kaum, daß uns die einholen werden. Und wenn
doch, so sollten wir uns schleunigst ein anderes Hobby suchen. Bevor es nun
zu den eigentlichen Erlebnissen, Fakten und Ereignissen dieser Tour kommt,
sollten wir hier ein kurzes Memorandum an unseren Bergkameraden Tilo Renner
verfassen. Plötzlich und unerwartet traf uns die Nachricht von seinem
Fernbleiben. Vergessen all die Telefonkonferenzen, Abstimmgespräche und
Hänseleien.
Traurig aber wahr: Eine FRAU trat in sein Leben - kein Kommentar - nur soviel:
es sei ihm gegönnt. Also, nun zu den Fakten: Rupert hat mich pünktlich
um 1000 Uhr abgeholt. Bei einer gemütlichen Autofahrt mit den Beinen
auf dem Amaturenbrett (den Stau kurz vor München erwähne ich besser
nicht, denn das ist Sonntags kurz vor 1200 Uhr ein Ding der Unmöglichkeit)
sind wir um 1400 Uhr in Scharnitz angekommen.
Nach erfolgreicher Parkplatzsuche sollte es losgehen, was durch einen Platzregen
jedoch schnell verhindert wurde. Nach kurzer Zeit im Auto gings dann trotz
Regen los. Wir sind doch nicht aus Wasser. Am Karwendelbach entlang gings
bei einem Drecksregen gen Karwendelhaus. Angetrieben von dem Drecksregen (ich
mag das Wort) schafften wir den Aufstieg in gelösten 3,5 Stunden, anstatt
wie angegeben 5 Stunden.
Dank eines warmen Trockenraumes, einer deftigen Portion Nudeln und den Plänen
für die nächsten Tage ist der Drecksregen und der Verlust eines
Kameraden schnell vergessen.
Montag 07.08.00
Eigentlich wollten wir uns von meiner Uhr um 600 Uhr aufwecken lassen, aber
dann versagte das gute Stück seinen Dienst und ich (Rupi) wurde um 700
Uhr wach und stellte mit Entsetzen fest, daß wir schon eine Stunde im
Rückstand waren. Eigentlich wollten wir um 700 Uhr fix und fertig am
Frühstückstisch sitzen und um 720 Uhr abmarschieren, so kamen wir
nach einem Rapido-Frühstück um 750 Uhr weg. Für die ersten
900 Höhenmeter durch zum Teil extrem schlecht markiertes und rutschiges
Gelände benötigen wir genau 2 h und stehen um 950 Uhr auf dem Schlauchkarsattel.
Von dort aus ein anfangs unbequemer und vor allem rutschiger Abstieg von 1.500m
ins Hinterautal, ein wunderschönes Hochtal (zumindest bei Sonnenschein,
wenn wir ihn gehabt hätten). Dieses Tal leicht aufwärts folgend
kommen wir an eine ausgebaggerte Gebirgsbachfurt, wo uns ein netter Raupenfahrer
in seiner Schaufel übersetzt.
Mittlerweile sind wir 5h unterwegs und greifen die nächsten 600 Höhenmeter
zum Hallerangerhaus (1768m) (sehr wichtiges und prägendes Erlebnis) an.
So kommen wir schließlich nach 6,5h an und ... UND treffen eine bezaubernde
Hüttenfee, die Martin allerdings völlig kalt läßt.
Immerhin konnte ich eine gut 1-stündige Pause rausschlagen, bevor der
unbarmherzige Schinder mich zum Weitergehen auf die Bettelwurfhütte (2077m)
zwingt, wo wir nach knapp 2-stündigem Marsch um 1730 Uhr ankommen.
Fazit: gut gehbare Tour, v.a. bei schönem Wetter; ca. 10 Std. bei zügigem
Tempo, ungewöhnlich viele Gemsen und schöne Schotterfelder. REIZENDE
Hüttenschneckerln (die meine kriegt heute gleich noch 'ne Karte) und
eine weitere Etappe auf dem Traumpfad: Gute Nacht, 1.500m über dem schönen
Inntal wünscht Rupp!
Dienstag 08.08.00
Nach einem leckeren Abendessen sind wir beide noch vor 2100 Uhr ziemlich
müde in unser Lager geschlupft. Pünktlich um 600 Uhr hat Rupi´s
Handy uns geweckt. Innerhalb von sagenhaften, unglaublichen und unbeschreiblichen
100 Minuten sind wir dann auch ab-marschiert. Unbedingt erwähnen sollte
ich noch unsere non-verbale Unterhaltung um 615 Uhr mit unserem verschollenen
Bergkameraden, der auch glatt um 920 Uhr um Rückruf gebeten hat. So.
Zunächst standen 1.500 Hm Abgtieg Richtung Wattens an.
Rupi hat ziemlich mit seinem Rucksack zu kämpfen. Dank eines Schotterfeldes
können wir abwärts viel Zeit einsparen. Über Mils, Baumkirchen
gelangen wir nach Volders. Mittlerweile scheint die Sonne und wir sind mit
kurzen Hosen unterwegs. Das Inntal und somit der tiefste Punkt unserer Tour
(567m) ist erreicht. In Volders kurzer Pitstop bei Spar. Wegen Rupi´s
Schultern überlegen wir, ob es nicht besser ist die Tour abzubrechen
und nach Italien weiterzufahren.
Aber: Er beißt die Zähne zusammen. Genau so habe ich ihn auch kennengelernt
(Stichwort Skizugbär). Nach einem rasanten und steilen Aufstieg auf einer
Teerstraße laufen wir zunächst flach auf einem Forstweg, dann wieder
steiler auf der Straße das Wattener Tal entlang. Am Talschluß
rasten wir am Fuß des nächsten Berges. Ein Schild kündigt
30% Steigung und den Einsatz von Allradantrieb an. Doch auch das kann uns
nicht abschrecken. Unerbärmlich, um nicht zu sagen, gnadenlos schlängelt
sich eine Barras-Straße den Berg hoch.
Wir geben schon ein gutes Gespann ab: Schulterprobleme, Knieprobleme und Sehnen
lassen grüßen. Und das mit 24! Endlich erreichen wir die Lizumer
Hütte (2019m). Bei Speckknödel und einem Bierchen sind die Strapazen
schnell vergessen. Es regnet wieder. Ab ca. 2100 Uhr werden wir wieder das
Lager hüten.
Um 2140 Uhr Anruf von Tilo, daß er morgen früh doch noch zu uns
stoßen will, juchee und hurra - ich schick ihm 'ne SMS, daß wir
morgen nochmal telefonieren.
Mittwoch 09.08.00
Wecken um 530 Uhr, da wir um 630 Uhr Frühstück fassen und spätestens
um 700 Uhr abmarschieren müssen, damit wir noch vor dem Schießen
des österreichischen Bundesheeres aus der Schußlinie kommen. 600
Uhr Telefonat mit Tilo, der schon auf dem Weg aus München Richtung Süden
ist. Wir machen einen Treffpunkt gegen Mittag auf dem Tuxerjochhaus (2130m)
aus und marschieren um 640 Uhr von der Lizumer Hütte auf die Geierscharte
(2743m), wo wir nach 2 Std. ankommen.
Es folgt ein gemütlich-zügiger Marsch bergauf und bergab, bis wir
schließlich hoch über dem Tuxertal Hintertux und den Gletscher
sehen. Nach furchtbar langem Abstieg steigen wir noch 50 Min. auf und treffen
unseren verschollenen und wiedergefundenen Kameraden Tilo um 1200 Uhr auf
dem Tuxerjochhaus.
So, da bin ich. Hab ich was Wichtiges verpaßt, außer das Haserl
von dem Rupi immer noch träumt?! Nachdem ich mich doch entschlossen habe,
die zwei Kameraden zu begleiten, bin ich um 630 Uhr in München losgekommen
(auch wenn mir der Abschied schwer fiel). Nach 2 Telefonaten mit Rupi hab
ich einen Plan, wo ich circa hinmuß. Das Auto habe ich irgendwo in der
Wallachei abgestellt. Nach einem heftigen Anstieg (schwitz, schwitz) treffe
ich kurz vor Martin und Rupi am Tuxerjochhaus ein.
Naja, die Wiedersehensfreude hält sich in Grenzen: der schon wieder.
Aber das Radler und die Suppe schmecken lecker. Nach einer halben Stunde Rast,
steigen wir in das Skigebiet von Hintertux in Richtung Spannagelhaus (2531m).
Das Skigebiet und auch der Gletscher schauen schrecklich aus. Welche Verrückten
fahren hier nur im Sommer Ski? Die gehören sich alle bestraft, fragt
sich bloß wie?! Auf einem gut ausgebauten Fahrweg erreichen wir die
Hütte, wo wir auf einen recht merkwürdigen Bergführer treffen!!!
Aus Tilo wird Dildo und die Streetparade in der Schweiz ist im Gespräch.
Als der Typ uns noch mit in die Höhle schleppen will steht fest, der
Trottel ist schwul. So, jetzt schnell ins Bett und den Hintern immer schön
flach und an der Wand halten. Die Beschreibung der Nacht erfolgt morgen. Hoffentlich
ohne Probleme. Gute Nacht.
Donnerstag 10.08.00
Nach einer anfangs lauten (gell Rupi), aber dann doch ruhigen Nacht, stehen
wir um 615 Uhr auf. Wir kommen aber erst um 740 Uhr los, da uns der Wirt so
lange warten läßt. Über die Friesenbergscharte (2930m) steigen
wir zügig in 2 Std. zur Friesenberghütte (2498m). Bei schönem
Wetter geht's weiter zum Schlegeisspeicher (1805m). Wir laufen auf einer Teerstraße
entlang des Speichers. An einem Kiosk spendiert Tilo eine Runde Eis. Der Blick
auf die umliegenden Gletscherberge (Gr. Möseler, Hochfeiler, Olperer)
lassen Pläne für die nächsten Touren entstehen. Bevor wir in
Richtung Pfitscherjochhütte (2250m) aufbrechen, machen wir noch 30 min.
eine gemütliche Rast an einem Gebirgsbach.
Durch die Pause und das erfrischende Wasser gestärkt, stürzt Rupi
den Berg hoch. Anfangs noch auf Touristenjagd, dann auf Frauenjagd, zum Schluß
bloß noch auf der Jagd nach dem erlösenden Ende des Berges, kommen
wir oben erschöpft an und gönnen uns auf einer Wiese ein Radler
und machen uns Gedanken über die nächsten 3 Tage. Für den "kleinen
Hausberg" (2933m) stellt Tilo seinen Flachmann zur Verfügung und wir
stürzen trotz diverser Wehwehchen in 1 Std. fast 700 Höhenmeter
auf den Hausberg hoch. Auf dem Gipfel singen wir Nadine ein Geburtstagsständchen
auf den AB. Nach dem Abstieg gibt es auf der Hütte ein leckeres Essen,
eine Dusche und gesalzene Zimmerpreise (30,-DM). Bei einer Flasche Rotwein
werden alte gemeinsame Touren nochmal lebendig.
Freitag 11.08.00
Da in unserem Zimmer angeblich lt. Rupi und Tilo ein Schnarcher war, der
auch nicht ruhiggestellt werden konnte, stehen wir um 615 Uhr zügig auf.
Nach einem Frühstück in der Hütte, machen wir uns bei herrlichem
Sonnenschein und angenehmen Temperaturen um 700 Uhr auf den Weg zur Alpiner
Scharte (2957m). Zu dem allg. warmen Wetter und weiten Weg kommt noch dazu,
daß wir uns versteigen. Nach einem Blick in die Karte können wir
wieder auf den Weg zurückkehren. Wasser fassen an einem Rinnsal. Oben
auf der Scharte (2 Std.) machen wir eine kurze Brotzeit, lassen die Rucksäcke
zurück und steigen gen Olperer auf. Nach 30 min. wird unsere wilde Besteigung
aber durch einen Felsabbruch jäh unterbrochen.
Wir steigen ab und nehmen die Geraer Hütte (2324m) ins Visier. Dort fällt
nach dem mißglücktem Gipfelversuch ziemlich schnell die Entscheidung
zu Tilo´s Auto abzusteigen. Eine Tour auf den Olperer über den
Gletscher kommt auch nicht in Frage, da wir die dazu nötige Ausrüstung
nicht an Bord haben. Auf einem langgezogenen Hang steigen wir lange auf und
ab, bevor sich uns ein erster Blick in das Schmirntal bietet. Doch noch einmal
müssen über 700 Höhenmeter auf steilen Pfaden im Abstieg überwunden
werden. Angesichts der Hitze und der bekannten Wehwehchen kein leichtes Unterfangen.
Aber alles hat einmal ein Ende.
Bei Kasern kommen wir in die Zivilisation zurück und machen bei einem
Bauernhaus eine Trinkpause, bevor wir die letzten 500 Meter zu Tilo's Auto
laufen. Bei der Fahrt zurück nach Deutschland kaufen wir noch kurz in
Steinach ein. In Scharnitz schließlich gönnen wir uns eine Riesenpizza.
Ausgerüstet mit zwei Autos beginnt die Suche nach einem Nachtlager, das
wir dann auch bei Mittenwald in Form eines Sportplatzes finden.
Unsere Nachtruhe wird lediglich durch zwei Polizisten unterbrochen, denen
wir die Geschichte von der wilden Sau erzählen und die uns auf dem Sportplatz
schlafen lassen.
Samstag 12.08.00
Aufstehen um 700 Uhr. Pitstop bei einem Bäcker in Mittenwald. Wir machen uns auf die Suche nach einem Klettergarten. Nach vielem Rumgefrage und Rumgefahre finden wir endlich eine Wand in der Nähe von Ohlstadt. Ein Ort von dem man nie wieder was hört. Wir machen zwei Routen, die von Rupi jeweils im Vorstieg super gemeistert werden. Bei der weiteren Heimfahrt tauchen wir noch kurz im Riggsee bei Murnau unter und genießen das herrlich kalte Wasser. Auf einer Autobahnraststätte verabschieden wir Tilo, der noch 2 Tage in München verbringen wird, bevor sein Praktikum in Augsburg beginnt. Der gute Opel fährt wie eine Eins. Bei Sulzbach biegt er selbständig zum Biergarten beim Kreuzerwirt ab. Schließlich und endlich tuckeln wir um 1930 Uhr in Pruppach ein. ---